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Die ersten Tage in Fort Dauphin

Meine ersten Tage in Fort-Dauphin – zwischen Armut, beeindruckender Natur, neuen Begegnungen und der Erkenntnis, dass hier vieles anders ist, als ich es bisher kannte

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Two silhouettes watching the sunset on the beach in Fort Dauphin

08.08. – Endlich angekommen

Um 8:00 Uhr landete ich in Fort-Dauphin. Der Flughafen war überraschend klein – und auch die Sicherheitskontrollen waren mit europäischen Maßstäben kaum vergleichbar. Doch viel wichtiger als der Flughafen waren die beiden Menschen, die ich direkt am Gate entdeckte: Norbert und Maria. Ich hatte die beiden zuletzt in Deutschland gesehen. Als wir uns wiedersahen, musste ich eigentlich nur lächeln. Wir umarmten uns, begrüßten uns herzlich und ich erzählte ihnen erst einmal von meiner Reise und den vergangenen Tagen.

Danach ging es mit Norberts Jeep vom Flughafen in Richtung ihres Zuhauses.

Der erste Blick auf Fort-Dauphin

Schon auf den ersten Metern bekam ich einen Eindruck davon, dass ich mich nun wirklich in einer völlig anderen Welt befand. Noch am Flughafen sah ich ein etwa sechsjähriges Kind, das die ankommenden Menschen um Geld bat. Dieser Moment hat mir sofort wieder bewusst gemacht, wo ich angekommen war: in einem der ärmsten Länder der Welt. Während der Fahrt zu Norbert und Maria sah ich Dinge, die ich bisher nur von Bildern kannte. Hunderte selbst gebaute Häuser aus Holz und Blech standen dicht an dicht. Straßenhunde liefen zwischen den Menschen herum, und die Armut war nicht mehr etwas Abstraktes, über das man in Statistiken liest – sie war direkt vor meinen Augen. Für mich war das zunächst kein schöner Anblick. Nicht, weil die Menschen oder die Stadt „unschön“ gewesen wären, sondern weil mir klar wurde, wie privilegiert mein bisheriges Leben gewesen ist. Vieles, was für mich selbstverständlich war, schien hier alles andere als selbstverständlich zu sein.

Eine völlig andere Welt hinter einem Tor

Als wir schließlich bei Norbert und Maria ankamen, erwartete mich ein völlig anderes Bild. Was Norbert in den vergangenen 21 Jahren aufgebaut hat, hat mich ehrlich gesagt sprachlos gemacht. Über 21 Jahre hat Norbert das Grundstück praktisch komplett selbst aufgebaut. Ein Haupthaus, ein kleineres Gebäude zum Brotbacken, eine Garage, einen Garten mit einer kleinen Feuerstelle, Solaranlagen, eigene Wasseranlagen, Duschen und Elektrizität – alles befindet sich auf diesem Grundstück. Und das Beeindruckende daran: Vieles davon hat Norbert selbst gebaut. Ich war besonders erstaunt darüber, wie hochwertig und durchdacht alles umgesetzt wurde. Nach dem ersten Eindruck während der Fahrt hatte ich nicht erwartet, hinter diesem Tor eine solche kleine, funktionierende Oase vorzufinden. Ich bekam mein eigenes Zimmer und sogar mein eigenes Bad. Nach den vergangenen Reisetagen war das natürlich ein ziemlicher Luxus.

Wenn aus einem Projekt echte Veränderung wird

Noch am selben Tag bekam ich bereits einen ersten Einblick in eines der Projekte, die Norbert und Maria betreuen. Norbert hatte dort eine Wasserpumpe gebaut und diese mit einer Solaranlage verbunden, um ein Gemüsefeld mit Wasser zu versorgen. Für mich war das ein wichtiger Moment, weil ich zum ersten Mal nicht nur über die Projekte gesprochen hatte, sondern direkt sehen konnte, was dahintersteckt. Es geht nicht einfach darum, etwas zu finanzieren und wieder zu gehen. Es geht darum, Lösungen zu schaffen, die vor Ort funktionieren und langfristig genutzt werden können. Nach diesem ersten Tag war ich allerdings völlig erschöpft. Die Reise, die vielen neuen Eindrücke und der Schlafmangel hatten ihren Tribut gefordert. Also hieß es erst einmal: schlafen und Kräfte sammeln.

09.08. – Fort-Dauphin auf eigene Faust

Am nächsten Morgen konnte ich mich langsam einfinden. Nach einem für mich fast schon typisch deutschen Frühstück machte ich mich gegen 15:00 Uhr alleine auf den Weg in die Stadt. Ich wollte Fort-Dauphin nicht nur aus dem Auto heraus kennenlernen, sondern mir selbst ein Bild machen. Und natürlich fiel ich auf.

„Salama!“

Schon nach wenigen Minuten merkte ich, dass mich viele Menschen neugierig anschauten. Ein großer, blonder Europäer, der alleine durch die Straßen von Fort-Dauphin läuft, ist offenbar nicht gerade alltäglich. Anfangs wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte.
Dann fand ich aber ziemlich schnell eine einfache Lösung: „Salama!“
Das bedeutet auf Malagasy „Hallo“. Und plötzlich änderte sich etwas. Viele Menschen lächelten zurück. Ein kleines Wort, das ich erst kurz zuvor gelernt hatte, öffnete mir plötzlich Türen und sorgte für viele freundliche Begegnungen.

Zwischen Marktständen und maroden Gebäuden

Was mich besonders überrascht hat: Die Straßen selbst waren teilweise erstaunlich gut in Schuss. Direkt daneben sah es jedoch teilweise völlig anders aus. Marode Gebäude, einfache Holzkonstruktionen und Häuser, bei denen man sich durchaus fragen konnte, wie lange sie noch stehen würden, prägten das Stadtbild. Überall gab es kleine Marktstände. Fleisch, Fisch, Süßigkeiten und andere Lebensmittel wurden direkt am Straßenrand verkauft.
Und auch Kinder bei der Arbeit zu sehen, war für mich ungewohnt. Während Kinder in Deutschland in diesem Alter normalerweise in der Schule sind oder ihre Freizeit genießen, gehört es hier offenbar für viele zum Alltag, schon früh mitzuhelfen und Geld zu verdienen.
Ich merkte immer mehr, dass ich nicht einfach nur in ein anderes Land gereist war. Ich war in eine völlig andere Lebensrealität eingetaucht.

Fußball verbindet überall

Später entdeckte ich ein Fußballfeld, auf dem gerade zwei Mannschaften gegeneinander spielten. Das Spielfeld selbst war sogar mit Kunstrasen ausgestattet. Die Tribüne daneben machte allerdings einen deutlich weniger stabilen Eindruck und wirkte teilweise einsturzgefährdet. Ich blieb stehen und schaute dem Spiel eine Weile zu. Während des Spiels kam ich mit einem Einheimischen ins Gespräch. Obwohl wir uns vorher nicht kannten, unterhielten wir uns und er zeigte mir später sogar einige weitere Teile von Fort-Dauphin.
Schließlich führte er mich auch zum Strand.

Ein Strand wie aus einem anderen Land

Und dann kam einer dieser Momente, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Der Strand war unfassbar schön. Nach all den Eindrücken von Armut, einfachen Häusern und schwierigen Lebensbedingungen stand ich plötzlich an einem Ort, der aussah, als könnte er aus einem Reisekatalog stammen. Das Meer, der Sand und die Landschaft waren beeindruckend. Und genau dieser Kontrast ist vielleicht das, was mich an Fort-Dauphin bisher am meisten fasziniert: Auf der einen Seite gibt es enorme Armut und schwierige Lebensbedingungen. Auf der anderen Seite gibt es eine Natur und eine Schönheit, die kaum zu übertreffen sind.

Der letzte Abend bei Norbert und Maria

Nach diesem langen Tag war meine Energie allerdings endgültig aufgebraucht.
Also ging es zurück zu Norbert und Maria und anschließend ins Bett. Die ersten beiden Tage hatten mir bereits unglaublich viele neue Eindrücke gegeben. Ich hatte eine völlig andere Lebensrealität gesehen, erste Menschen kennengelernt, ein von Norbert aufgebautes Projekt besucht und Fort-Dauphin zum ersten Mal alleine erkundet. Und trotzdem hatte meine eigentliche Zeit in Fort-Dauphin noch gar nicht begonnen. Denn nach einem weiteren Tag bei Norbert und Maria sollte der nächste große Schritt kommen:

Der Umzug ins Kloster Marillac zu den Lazaristen.

Dort würde mein eigentlicher Alltag als Englischlehrer beginnen.
Und damit auch das Abenteuer, wegen dem ich überhaupt nach Madagaskar gekommen bin.

Project Anosy – building brighter futures.

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