Die Brüder bemerkten schnell, dass ich nicht gekommen war, und schauten in meinem Zimmer nach mir. Sie fanden mich mit starkem Schüttelfrost im Bett. Meine Temperatur lag bereits bei 39 Grad und stieg weiter. Also brachten sie mich direkt zum Dispensaire der Schwestern. Natürlich dachte ich zuerst an Malaria, schließlich war ich in Madagaskar und die Symptome passten teilweise dazu. Der Schnelltest war glücklicherweise negativ. Gleichzeitig war mein Blutdruck ungewöhnlich niedrig, weshalb der Arzt weitere Untersuchungen machen wollte. Mir wurde Blut abgenommen und direkt im angrenzenden Labor untersucht. Etwa 30 Minuten später stand dann fest, was los war: Typhus.
Eine Diagnose, mit der ich nicht gerechnet hatte
Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht. Ich war gegen Typhus geimpft und hatte deshalb überhaupt nicht damit gerechnet, daran erkranken zu können. Natürlich schützt eine Impfung nicht zu hundert Prozent, aber vorher hatte ich mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht. Der Arzt verschrieb mir starke Antibiotika und verschiedene Vitamine und erklärte mir, dass ich vor allem viel trinken und mich ausruhen müsse. Durch die Krankheit und den starken Durchfall hatte ich bereits ungefähr vier Kilogramm verloren. Die nächsten beiden Tage waren dann auch tatsächlich die schlimmsten. Ich hatte kaum Energie und konnte eigentlich nichts anderes machen, als im Bett zu liegen und meinem Körper Zeit zu geben.
Zum Glück ging es danach relativ schnell bergauf. Nach ungefähr drei Tagen fühlte ich mich schon deutlich besser und etwa vier Tage nach der Diagnose konnte ich langsam wieder in meinen normalen Alltag zurückkehren. Ganz der Alte war ich allerdings noch lange nicht. Obwohl die eigentlichen Symptome verschwunden waren, hat es ungefähr zwei Wochen gedauert, bis ich mich körperlich wieder vollständig fit gefühlt habe. Rückblickend war die Krankheit deshalb nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch eine Erfahrung, die mir eine andere Seite meines Aufenthalts gezeigt hat.
Was ich daraus mitnehme
Besonders positiv überrascht hat mich nämlich die medizinische Versorgung. Vor meiner Reise hatte ich ehrlich gesagt gewisse Vorurteile und war zunächst etwas skeptisch, wie die Behandlung hier funktionieren würde. Am Ende waren die Ärzte sehr professionell, die Untersuchungen wurden schnell durchgeführt und die Menschen vor Ort haben sich wirklich gut um mich gekümmert. Gerade in einem Moment, in dem man selbst völlig erschöpft ist und sich nicht gut fühlt, merkt man, wie wichtig es ist, Menschen um sich zu haben, auf die man sich verlassen kann.
Diese Erfahrung hat mir noch einmal gezeigt, dass mein Aufenthalt in Madagaskar nicht nur aus schönen Landschaften, neuen Begegnungen und spannenden Erlebnissen besteht. Es gibt auch Momente, in denen man selbst plötzlich auf Hilfe angewiesen ist. Und vielleicht gehört genau das genauso zu einer echten Reise dazu. Für meinen nächsten Ausflug in die Brousse habe ich jedenfalls eine ziemlich einfache Lektion gelernt: etwas besser darauf achten, was ich esse. :D