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Berenty – Eine andere Seite Madagaskars

Eine spontane Einladung führte mich für eine Nacht nach Berenty – zu Lemuren, Chamäleons, einer unvergesslichen Natur und überraschenderweise auch zu meiner ersten warmen Dusche seit Langem.

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One day with me at Berenty

Eine Einladung, mit der ich nicht gerechnet hatte

Ich war Maria und Norbert während meiner Zeit in Madagaskar schon für unglaublich vieles dankbar. Ohne die beiden hätte ich viele Menschen und Orte wahrscheinlich niemals kennengelernt. Trotzdem wurde mir erst an diesem Wochenende so richtig bewusst, wie weit ihre Kontakte hier reichen. Am Samstag hatte Norbert Geburtstag und lud mich zu seiner Feier ein. Dort lernte ich unter anderem einige ihrer langjährigen Freunde kennen, darunter auch Mitglieder der Familie de Heaulme. Die Familie ist seit Generationen im Süden Madagaskars verwurzelt und unter anderem mit Sisalproduktion und Tourismus verbunden. Bereits 1936 begann die Geschichte von Berenty, wo neben großen Sisalflächen auch Teile der ursprünglichen Natur erhalten wurden. Im Gespräch mit Philippe und Bénédicte erzählte ich irgendwann mehr von meiner Zeit in Fort-Dauphin, meiner Arbeit am Centre Toky und von Project Anosy. Offenbar fanden sie meine Geschichte interessant, denn plötzlich kam eine Einladung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte: Philippe musste am Dienstag für eine Nacht nach Berenty fahren, um dort einige Dinge zu erledigen, und fragte mich, ob ich nicht einfach mitkommen wolle. So könnte ich einmal eine völlig andere Seite Madagaskars kennenlernen – die Natur und Tierwelt des Südens. Natürlich musste ich nicht lange überlegen.

Zwei Stunden in eine andere Welt

Am Dienstagnachmittag ging es los. Rund zwei Stunden fuhren wir von Fort-Dauphin in Richtung Südwesten, zeitweise über eine kleine Bergkette. Schon diese Fahrt war für mich ein Erlebnis. Was mich an Madagaskar immer wieder fasziniert, ist, wie schnell sich die Landschaft verändern kann. Innerhalb relativ kurzer Zeit sieht die Umgebung plötzlich vollkommen anders aus. Auf dem Weg nach Berenty sah ich Pflanzen und Bäume, die ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Manche Formen wirkten auf mich so ungewöhnlich, dass ich zwischendurch wirklich dachte, ich wäre auf einem anderen Planeten gelandet. Je näher wir Berenty kamen, desto trockener und fremdartiger wurde die Landschaft. Und dann dauerte es nach unserer Ankunft nicht lange, bis ich sie zum ersten Mal sah: Lemuren. Überall. Manche saßen entspannt am Straßenrand, andere bewegten sich durch die Bäume, und einige schienen sich für die Menschen um sie herum überhaupt nicht zu interessieren. Ich hatte mir schon lange gewünscht, diese Tiere einmal mit eigenen Augen in freier Umgebung zu sehen – und plötzlich saßen sie nur wenige Meter von mir entfernt. Besonders lustig fand ich, wie menschlich manche von ihnen wirkten. Einige saßen einfach da, als würden sie nach einem langen Arbeitstag ebenfalls gerade ein bisschen entspannen.

Meine erste warme Dusche – und dann in die Nacht

Als wir bei dem Haus ankamen, in dem ich die Nacht verbringen sollte, wartete direkt die nächste Überraschung auf mich. Das Zimmer war wunderschön – aber ein Detail interessierte mich in diesem Moment fast noch mehr: Es gab warmes Wasser. Im Kloster Marillac duschten wir normalerweise kalt, weshalb dies tatsächlich meine erste warme Dusche seit längerer Zeit war. Manchmal lernt man auf Reisen wirklich, die kleinen Dinge wieder ganz neu zu schätzen. Viel Zeit zum Entspannen blieb allerdings nicht, denn Philippe und Bénédicte hatten für den Abend noch etwas Besonderes organisiert. Ein Guide sollte mit mir nach Einbruch der Dunkelheit durch das Waldgebiet von Berenty laufen. Mit Taschenlampen machten wir uns auf den Weg, und der Wald fühlte sich nachts noch einmal vollkommen anders an. Zwischen den Ästen entdeckten wir winzige Mausmakis, andere nachtaktive Lemuren und mehrere Chamäleons, die vollkommen regungslos auf den Ästen schliefen. Ohne den Guide wäre ich wahrscheinlich an fast jedem einzelnen Tier vorbeigelaufen. Für mich war es faszinierend zu sehen, wie viel Leben sich dort versteckt, das man auf den ersten Blick überhaupt nicht wahrnimmt.

Drei Stunden zwischen Lemuren und Chamäleons

Am nächsten Morgen ging es direkt weiter. Dieses Mal sollte die Tour noch deutlich länger werden. Knapp drei Stunden war ich gemeinsam mit einem Guide zu Fuß im Reservat unterwegs. Und eigentlich wusste ich irgendwann gar nicht mehr, wo ich zuerst hinschauen sollte. Überall bewegte sich etwas. Wir sahen verschiedene Lemurenarten, Chamäleons, Schildkröten, Krokodile und noch viele weitere Tiere und Lebewesen. Vor allem die Lemuren haben mich völlig fasziniert. Es ist etwas anderes, sie auf Bildern oder in Dokumentationen zu sehen, als direkt unter einem Baum zu stehen und zuzuschauen, wie sie scheinbar mühelos von Ast zu Ast springen. Gleichzeitig haben manche ihrer Bewegungen, Blicke und Verhaltensweisen etwas erstaunlich Menschenähnliches. Einige waren unglaublich aktiv, während andere völlig entspannt in den Bäumen lagen oder am Boden saßen. Dass diese Tiere dort direkt neben einem leben und man sie ohne Käfige oder Zäune beobachten kann, war für mich wahrscheinlich einer der schönsten Naturmomente meiner gesamten Reise.

Später beschloss ich sogar noch, eine Runde laufen zu gehen. Eine ziemlich besondere Laufstrecke, denn ein Teil führte durch die Landschaft von Berenty und irgendwann nutzte ich sogar einen kleinen Flugplatz als Laufstrecke. Auch das gehört mittlerweile irgendwie zu meiner Zeit in Madagaskar: Dinge, die sich vorher vollkommen ungewöhnlich angehört hätten, fühlen sich plötzlich fast normal an. Gegen 19 Uhr machten Philippe und ich uns schließlich wieder auf den Weg zurück nach Fort-Dauphin. Am selben Abend saßen wir noch gemeinsam mit Norbert und Maria in einem Restaurant und ließen den Tag ausklingen. Ich musste erst einmal verarbeiten, was ich innerhalb dieser knapp zwei Tage alles gesehen hatte. Die Einladung war vollkommen spontan entstanden und hatte mir eine Seite Madagaskars gezeigt, die sich noch einmal völlig von meinem Alltag in Marillac und am Centre Toky unterschied. Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wusste: Berenty war erst der Anfang einer Woche, die ich wohl nicht so schnell vergessen werde.

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