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Über den Wolken Madagaskars – Ein unvergesslicher Tag in Betroka

Ein spontaner Flug über Madagaskars Berge, eine völlig andere Landschaft und ein Abenteuer, das ich wohl niemals vergessen werde.

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A day with Norbert at Betroka

Ein Versprechen wird wahr

Direkt am Tag nach meinem Besuch in Berenty sollte mich bereits das nächste unglaubliche Erlebnis erwarten. Seit meiner Ankunft in Madagaskar hatte mir Norbert immer wieder von seinen zahlreichen Flügen erzählt. Mit seinem eigenen Flugzeug hatte er über die Jahre gemeinsam mit Maria, aber auch allein, die unterschiedlichsten Landschaften Madagaskars erkundet. Dabei nutzte er das Flugzeug nicht nur für private Ausflüge, sondern auch für seine Arbeit und gemeinnützige Projekte in weit entfernten, teilweise nur schwer erreichbaren Regionen des Landes. Schon zu Beginn meines Aufenthalts hatte er mir versprochen, dass wir eines Tages gemeinsam einen solchen Flug unternehmen würden, damit auch ich einen anderen Teil Madagaskars kennenlernen könnte. Natürlich war ich von dieser Vorstellung begeistert, allerdings hatte ich ehrlich gesagt nicht wirklich damit gerechnet, dass es tatsächlich dazu kommen würde. Schließlich ist Norbert trotz seiner mittlerweile 78 Jahre noch unglaublich aktiv und hat ständig irgendwelche Projekte und Aufgaben zu erledigen. Wie sehr ich mich doch irren sollte! Ganz spontan ergab sich nämlich die Gelegenheit, einen befreundeten Architekten nach Betroka zu fliegen, einer abgelegenen Stadt im Landesinneren Madagaskars, in der dieser gerade an einem Straßenbauprojekt arbeitete. Da im Flugzeug noch ein Platz frei war, fragte Norbert mich kurzerhand, ob ich nicht mitkommen möchte. Ich glaube, ich konnte in diesem Moment gar nicht mehr aufhören zu lächeln. Natürlich sagte ich sofort zu und packte noch am selben Abend meine Sachen. Am nächsten Morgen würde ich die gewaltige Gebirgskette hinter Fort-Dauphin überqueren und eine Region Madagaskars kennenlernen, die sich vollkommen von allem unterscheiden sollte, was ich bis dahin gesehen hatte.

Ein etwas anderer Flug

Gegen acht Uhr morgens ging es schließlich los. Gemeinsam mit Norbert und dem Architekten fuhren wir zum Flughafen von Fort-Dauphin, genauer gesagt zu dem Hangar, in dem Norbert sein Flugzeug untergebracht hat. Für unseren heutigen Ausflug nutzten wir allerdings die Maschine eines guten Freundes von ihm. Ich bin zwar kein Flugzeugexperte, aber besonders die moderne Innenausstattung machte auf mich einen ziemlich beeindruckenden Eindruck. Während Norbert mit der Vorbereitung des Flugzeugs beschäftigt war, versuchte ich immer noch zu begreifen, dass ich gleich zum ersten Mal in meinem Leben mit einer solchen kleinen Maschine fliegen würde – und das auch noch anderthalb Stunden quer über die Berglandschaften Madagaskars! Wenig später rollten wir bereits aus dem Hangar, Norbert nahm auf Französisch Kontakt mit dem Tower auf und holte die Starterlaubnis ein. Das Wetter spielte an diesem Morgen allerdings nicht ganz mit. Schon vor dem Start hatte Norbert mich darauf vorbereitet, dass es aufgrund der Wolken und der Gebirgskette ziemlich turbulent werden könnte und wir möglicherweise einen kleinen Umweg fliegen müssten. Und was soll ich sagen: Er hatte definitiv nicht übertrieben! Normalerweise gehöre ich zu den Menschen, die Turbulenzen in großen Passagierflugzeugen sogar ganz unterhaltsam finden, weil sie sich ein wenig wie eine Achterbahnfahrt anfühlen. Doch was ich in dieser kleinen Maschine erlebt habe, war damit wirklich nicht zu vergleichen. Jeder Luftstoß war unmittelbar zu spüren, und irgendwann war es dann auch mit meiner Begeisterung für Turbulenzen vorbei, hahaha. Wie angekündigt mussten wir einen Umweg fliegen, um den tief hängenden Wolken möglichst auszuweichen und gleichzeitig genügend Höhe für die Überquerung der Berge zu gewinnen. Sobald wir die Gebirgskette schließlich hinter uns gelassen hatten, wurde die Luft glücklicherweise ruhiger und ich konnte endlich das genießen, worauf ich mich am meisten gefreut hatte: den Blick auf Madagaskar aus der Luft.

Eine Landschaft wie von einem anderen Planeten

Was sich mir nun unterhalb des Flugzeugs zeigte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Gewaltige, zerklüftete Berglandschaften erstreckten sich bis zum Horizont, durchzogen von tiefen Tälern und verzweigten Flussläufen, die sich wie riesige Risse durch die Berge zogen. An manchen Stellen konnte ich keinerlei Spuren menschlicher Besiedlung erkennen. Keine Straßen, keine Häuser, nichts außer dieser beeindruckenden, nahezu unberührten Landschaft. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so oft aus dem Fenster geschaut und einfach nur gestaunt wie während dieses Fluges. Besonders faszinierend fand ich, wie schnell sich die Vegetation veränderte, nachdem wir die Berge überquert hatten. Während die Umgebung von Fort-Dauphin noch von vergleichsweise üppiger, grüner Vegetation geprägt ist, wurde die Landschaft im Landesinneren zunehmend trockener. Das Grün verschwand immer mehr und machte einer rötlich-orangen Erde Platz, die sich über weite Teile des Hochlands erstreckte. Teilweise erinnerte mich der Anblick tatsächlich an eine Wüste oder das australische Outback. Irgendwann tauchte schließlich unsere Landebahn auf – wobei der Begriff Landebahn hier vielleicht etwas großzügig gewählt ist. Im Grunde handelte es sich um einen langen, verdichteten Streifen roter Erde, auf dem wir landen sollten. Dazu kam noch ein ziemlich kräftiger Seitenwind, gegen den Norbert das Flugzeug während des Landeanflugs ausrichten musste. Ich konnte regelrecht beobachten, wie konzentriert er die Maschine steuerte. Gleichzeitig wurde mir in diesem Moment bewusst, wie viel Erfahrung und fliegerisches Können er über die Jahre gesammelt haben musste. Während ich die Situation ziemlich aufregend fand, landete Norbert die Maschine mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit. Und damit waren wir tatsächlich in Betroka angekommen! Kaum ausgestiegen, fühlte ich mich erneut wie mitten im australischen Outback. Ein kräftiger Wind wehte über die offene Landschaft, der Boden war überall rot-orange gefärbt und von der grünen Umgebung Fort-Dauphins war kaum noch etwas zu erkennen. Es war wirklich, als wären wir innerhalb von anderthalb Stunden in einer völlig anderen Welt gelandet.

Ein Nachmittag in Betroka

Kurz nach unserer Ankunft wurden wir abgeholt und in die Stadt gebracht. Dort trennten sich zunächst unsere Wege: Während der Architekt seiner Arbeit nachging, hatten Norbert und ich mehrere Stunden Zeit, bis wir gemeinsam zurückfliegen konnten. Wir setzten uns zunächst in ein kleines lokales Restaurant und bestellten etwas zu trinken. Norbert war selbstverständlich bestens vorbereitet und hatte seinen Laptop mitgebracht, damit er die Zeit nutzen konnte, um weiter für seine Firma zu arbeiten. Ich hingegen beschloss, die Gelegenheit zu nutzen und Betroka auf eigene Faust zu erkunden. Schon nach wenigen Minuten merkte ich, wie sehr sich dieser Ort von Fort-Dauphin unterschied. Die Infrastruktur wirkte deutlich einfacher und das öffentliche Leben spielte sich zu einem großen Teil auf den staubigen Straßen ab. Statt der Tuk-Tuks, die ich aus Fort-Dauphin kannte, sah ich hier unter anderem Menschen, die andere Personen mit handgezogenen Wagen durch die Straßen transportierten. Auch hatte ich den Eindruck, dass die Menschen hier noch deutlich weniger an europäische Besucher gewöhnt waren, als ich es aus Fort-Dauphin kannte. Besonders spannend fand ich den lokalen Markt, auf dem ich zwischen den unterschiedlichsten Waren und Kleidungsstücken sogar ein Trikot von Borussia Dortmund entdeckte. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, hahaha! Gegen 13 Uhr traf ich mich wieder mit Norbert zum Mittagessen im Restaurant. Serviert wurden Reis, Bohnen und Fleisch. Eigentlich ein ganz gewöhnliches Gericht, doch nach meiner überstandenen Typhusinfektion war ich bei solchen Mahlzeiten mittlerweile etwas vorsichtiger geworden. Als ich das Essen vor mir sah, bekam ich direkt ein kleines Déjà-vu und entschied mich deshalb, dieses Mal lieber darauf zu verzichten. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir noch in Betroka, bis der Architekt gegen 16 Uhr seine Arbeit beendet hatte und wir gemeinsam zum Flugzeug zurückkehrten.

Ein Erlebnis, das ich niemals vergessen werde

Für den Rückflug waren die Bedingungen glücklicherweise deutlich angenehmer. Die Wolkendecke hatte sich etwas aufgelockert und dank des Rückenwinds benötigten wir für die Strecke zurück nach Fort-Dauphin nur ungefähr eine Stunde. Dadurch konnte ich noch einmal viele der unglaublichen Landschaften betrachten, die ich auf dem Hinflug teilweise nur zwischen den Wolken gesehen hatte. Während ich aus dem Fenster schaute und die Berge langsam wieder unter uns vorbeizogen, musste ich immer wieder an Norbert denken. Ich finde es wirklich faszinierend, was dieser Mann mit seinen 78 Jahren noch alles unternimmt. Während andere Menschen in seinem Alter vielleicht längst ihren Ruhestand genießen, steigt Norbert noch immer regelmäßig in ein Flugzeug, fliegt quer durch Madagaskar, kümmert sich um seine Arbeit und engagiert sich für die unterschiedlichsten Projekte. Und das alles mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre es das Normalste auf der Welt. Ich glaube, genau diese Begeisterung und Energie machen ihn für mich zu einem so beeindruckenden Menschen. Schließlich erreichten wir wieder Fort-Dauphin, verabschiedeten uns von dem Architekten und Norbert brachte mich zurück ins Kloster. Als ich am Abend über diesen Tag nachdachte, konnte ich noch immer kaum glauben, was ich alles erlebt hatte. Innerhalb weniger Stunden hatte ich Madagaskar aus einer völlig neuen Perspektive gesehen, eine abgelegene Stadt besucht und Landschaften entdeckt, deren Schönheit ich vorher kaum für möglich gehalten hätte. Rückblickend war dieser Ausflug wahrscheinlich eines der beeindruckendsten Erlebnisse meiner gesamten Zeit in Madagaskar. Und dafür kann ich Norbert wirklich nicht genug danken. Ohne ihn hätte ich niemals die Möglichkeit gehabt, dieses Land auf eine solche Weise kennenzulernen. Es ist ein Tag, an den ich mich vermutlich noch mein ganzes Leben erinnern werde.

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