Endlich raus aus Fort-Dauphin
Umso mehr habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut. Maria und Norbert hatten mich eingeladen, gemeinsam mit ihnen nach Saint Luce zu fahren, etwa eine Stunde nördlich von Fort-Dauphin. Dort soll es einige der schönsten Strände an der Ostküste Madagaskars geben. Und ganz ehrlich: Nach mehr als drei Wochen hier hatte ich es tatsächlich noch kein einziges Mal geschafft, richtig im Meer baden zu gehen. Eine ziemlich große Verschwendung, wenn man bedenkt, dass der warme Indische Ozean quasi direkt vor meiner Haustür liegt. Dementsprechend war mein Ziel für diesen Samstag ziemlich eindeutig: Endlich ins Wasser! Am Samstagmorgen packte ich also meine Sachen – Badesachen, Sonnencreme und natürlich etwas Verpflegung – und kurz darauf holten Maria und Norbert mich ab. Die erste Hälfte der Fahrt führte über eine überraschend gut ausgebaute, gepflasterte Straße, die unter anderem von der Europäischen Union und der Mine nördlich von Fort-Dauphin finanziert wurde. Die Mine ist riesig und investiert offenbar viel Geld in die Infrastruktur rund um Fort-Dauphin. Nach ungefähr 40 Kilometern verließen wir allerdings die befestigte Straße und fuhren noch fünf oder sechs Kilometer über roten Sand in Richtung Küste. Nachdem ich bei meinem Ausflug in den Busch bereits Bekanntschaft mit den „gut ausgebauten“ Straßen Madagaskars gemacht hatte, war ich diesmal zumindest vorbereitet. Nach insgesamt ungefähr einer Stunde waren wir schließlich da.
Ein Strand wie aus einem Traum
Vor Ort wird gerade ein großes Hotel aus Holz errichtet, das auf den ersten Blick wirklich beeindruckend aussieht. Aber deswegen war ich natürlich nicht hier. Ich wollte an den Strand – und als ich dort angekommen bin, wusste ich sofort, dass sich die Fahrt gelohnt hatte. Direkt hinter dem dichten Urwald öffnete sich eine wunderschöne Sandbucht, eingerahmt von Felsen und tropischer Vegetation. Ich glaube, so einen Strand hatte ich in meinem Leben noch nie gesehen. Angeblich lassen sich in dieser Gegend sogar regelmäßig Wale und Delfine beobachten. Für mich gab es allerdings erst einmal nur eine Sache: ab ins Wasser. Der Indische Ozean war unglaublich warm – so warm, dass ich mich beinahe gefragt habe, warum ich überhaupt wieder herauskommen sollte. Wobei man fairerweise sagen muss: Die Nordsee ist auch nicht gerade der Maßstab für tropische Badetemperaturen. :D Danach machten wir gemeinsam noch ein schönes Picknick direkt am Meer und ließen den Tag ganz entspannt ausklingen.
Warum ich hier bin
An diesem Tag wurde mir wieder einmal bewusst, an welchem außergewöhnlichen Ort ich mich eigentlich befinde. Vor weniger als einem Jahr hätte ich wahrscheinlich nicht einmal davon geträumt, irgendwann im Südosten Madagaskars an einem solchen Traumstrand zu sitzen – und gleichzeitig hier vor Ort zu arbeiten, Kinder zu unterrichten und mit Project Anosy an etwas Eigenem zu arbeiten. Natürlich gibt es hier auch schwierige Tage, und mein Alltag besteht meistens aus Arbeit statt Urlaub. Aber genau solche Momente zeigen mir, wie besonders diese Erfahrung ist. Ich bin nach Madagaskar gekommen, um etwas zu bewegen und die Menschen vor Ort kennenzulernen – und gleichzeitig entdecke ich dabei ein Land, das mir immer wieder neue Seiten zeigt. Und spätestens als ich an diesem Strand im warmen Indischen Ozean saß, dachte ich wieder: Das war definitiv die richtige Entscheidung, hierherzukommen.