Ein Ort mit vielen Aufgaben
Das Centre Toky ist eine gemeinnützige Organisation, die von Larissa gegründet wurde. Sie ist selbst Madagassin und unter sehr schwierigen und armen Verhältnissen aufgewachsen. Heute versucht sie, Kindern genau die Chancen zu geben, die ihr selbst früher gefehlt haben. Vor allem Kinder aus Familien, die weit unter dem Existenzminimum leben, kommen hierher. Sie erhalten kostenlose Bildung, lernen aber auch grundlegende Dinge, die für ihren Alltag wichtig sind.
Das Centre besteht aus mehreren Bereichen. Im Hauptgebäude befinden sich unter anderem die Alphabetisierungskurse, die Vorschule und der Kindergarten. Daneben gibt es einen medizinischen Bereich, eine Küche, in der Essen für die Kinder zubereitet wird, und natürlich Larissas Büro, das so etwas wie die Hauptstation des gesamten Centres ist. Genau das macht das Centre Toky für mich so besonders: Es geht nicht einfach nur darum, Kindern Unterricht zu geben, sondern darum, Familien möglichst ganzheitlich zu unterstützen.
Neun Häuser, neun Einblicke
Heute steht zunächst etwas anderes auf dem Programm. Von ungefähr 9 bis 13 Uhr besuchen wir neun Familien, deren Kinder das Centre Toky besuchen. Bei diesen Hausbesuchen geht es darum, einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Kinder leben, wie ihr gesundheitlicher Zustand ist und wobei die Familien möglicherweise Unterstützung benötigen.
Diese Besuche gehören für mich zu den eindrücklichsten Erfahrungen meiner gesamten Zeit hier. Teilweise leben bis zu sieben Menschen auf wenigen Quadratmetern zusammen. Viele Häuser bestehen lediglich aus Holz und Wellblech, und selbst genug Geld für das tägliche Essen ist für manche Familien alles andere als selbstverständlich. Bei gesundheitlichen Problemen versucht das Centre ebenfalls zu helfen. Dringende Fälle werden gemeinsam besprochen und wenn eine Behandlung notwendig ist, wird geprüft, wie diese finanziert werden kann. Auch Maria unterstützt hier immer wieder und stimmt sich dafür mit Larissa ab.
Neun Häuser bedeuten dabei auch neun verschiedene Geschichten. Obwohl ich inzwischen schon einiges von Fort-Dauphin gesehen habe, zeigen mir diese Besuche jedes Mal aufs Neue, wie unterschiedlich der Alltag nur wenige Kilometer voneinander entfernt aussehen kann.
Mittagessen und Englischunterricht
Gegen 13 Uhr sind wir mit den Hausbesuchen fertig und essen anschließend bei Larissa zu Hause. Sie kocht wirklich unglaublich gut und während meiner Zeit im Centre Toky habe ich durch sie immer wieder neue Gerichte der madagassischen Küche kennengelernt.
Gegen 14 Uhr beginnt dann der Teil meines Tages, für den ich hauptsächlich hier bin: mein Englischunterricht. Da die Kinder bisher nur sehr wenig Englisch sprechen, erkläre ich vieles auf Französisch und arbeite zusätzlich mit Gesten, Bildern und einfachen Beispielen. Das funktioniert überraschend gut. Was mich dabei immer wieder beeindruckt, ist, wie neugierig und lernbereit die Kinder sind. Sie melden sich, wollen neue Wörter ausprobieren, lachen über ihre Fehler und lernen teilweise unglaublich schnell.
Mehr als nur Englisch
Mein Ziel für die sechs Wochen im Centre Toky ist natürlich nicht, dass die Kinder danach perfekt Englisch sprechen. Viel wichtiger ist mir, ihnen eine Grundlage zu geben und vielleicht auch die Motivation, nach meiner Abreise weiterzulernen.
Gerade bei der Arbeit hier merke ich immer wieder, dass es vielen dieser Kinder nicht an Intelligenz oder Potenzial fehlt. Häufig fehlen schlicht die Möglichkeiten, die Unterstützung und die Ressourcen, um dieses Potenzial wirklich zu nutzen. Genau deshalb ist die Arbeit des Centre Toky so wichtig.
Gegen 16:30 Uhr ist mein Arbeitstag dort meistens vorbei. Häufig begleiten mich einige der Kinder noch bis zur Straße, bevor ich wieder ein Bajaj zurück nach Marillac nehme. Dort ruhe ich mich kurz aus, esse später gemeinsam mit den Brüdern zu Abend und arbeite anschließend meistens noch einige Stunden an Project Anosy, an Fotos, Videos oder meinen Blogbeiträgen. Gegen 23 Uhr endet dann ein ziemlich langer, aber meistens auch sehr erfüllender Tag.